DIGITALISIERUNG VS. FULL HUMAN EXPERIENCE

Eine Beobachtung von Gastronom 

Michael Cortelletti

Wir hören und lesen es immer wieder Die Pandemie war und ist ein Katalysator für die Digitalisierung Homeoffice, Video Calls, Online Bestellungen, ja sogar Web Calls mit den Liebsten all das gehört zu unserem neuen Alltag, dem New Normal Nur Sind wir dem nicht schon überdrüssig? Wollen wir nicht lieber zurück in unser altbekanntes „Normal Wollen wir nicht viel lieber wieder Menschen treffen, ins Theater und Kino gehen, in der Stadt bummeln und mit Freunden oder Familie „ essen und feiern gehen? Fakt ist, ein Großteil der Gesellschaft ist von der voll umfänglichen Digitalisierung übersättigt Jetzt, nach langen Zeiten der Pandemie, Phasen des Lockdowns und Einschränkungen des gesellschaftlichen Miteinanders, wollen viele Menschen ihre Onlinepräsenz lieber reduzieren, denken über Social Media Detoxing nach und versuchen sogar auf die Nutzung digitaler Medien ganz zu verzichten Es entwickelt sich gerade ein Gegentrend zur Digitalisierung Klar ist, dass es nicht möglich sein wird, sich komplett von allen Formen und Instrumenten digitaler Kommunikation abzuwenden Dafür ist die Digitalisierung bereits zu lange und zu fest in der Welt etabliert Dennoch wird es in vielen Bereichen ein Angebot des Rückzugs geben.

Orte, an denen man eine Pause von der digitalen Welt nehmen kann und Ruhe für den Geist zum Regenerieren findet Eine Auszeit in der reellen Welt Es geht darum, nicht 24 7 erreichbar zu sein und dem Druck, andauernd auf sein Smartphone schauen zu müssen, zu entkommen Auch wenn es sich dabei nur um einen kurzen Zeitraum handelt, kann der Abstand zur Digitalität die gesamte Atmosphäre ändern.

Die Digitalisierung hat der Gesellschaft das Versprechen gegeben, Leben und Arbeit zu vereinfachen, doch dies ist nicht immer der Fall Digitale Entwicklungen haben das Leben schneller und stressiger gemacht Menschen fühlen sich gezwungen, zu jeder Zeit und an jedem Ort erreichbar zu sein Dadurch, dass wir als Gesellschaft stark auf die digitale Welt fixiert sind, fehlt oft die Zeit für freie, emotionale Momente.

Die Gesellschaft benötigt das wahre Leben und den Kontakt zu echten Menschen Zurück zur Bedeutung, Reflexion und Sinnfindung des Lebens Im Vordergrund stehen bewusstes Handeln und Gestalten und dies soll mit allen Sinnen erlebbar gemacht werden.

Der Fokus liegt auf Kommunikation und auf Momenten, die einfühlsam, emotional und unvergesslich sind Eine instrumentelle Netzwerkkommunikation wird nach wie vor Bestand haben, allerdings rückt diese in den Hintergrund zwischenmenschlicher Beziehungen Es müssen neue Anreize geschaffen und Türen geöffnet werden, damit Menschen in gemütlicher Umgebung zusammenkommen können, um das Leben wirklich zu leben.

Innerhalb der Gastronomiebranche sind echter Kontakt zwischen Gästen untereinander sowie mit dem Personal nichts neues Doch heute gilt es zu entscheiden, ob man ganz auf Digitalisierung setzt und auf jeden nicht notwendigen menschlichen Kontakt verzichten will oder die Digitalisierung lieber nur da einsetzt, wo es sinnvoll ist und lieber nach wie vor Mensch bleibt und ein Leben außerhalb der virtuellen Welt lebt Letzteres beschreibt nicht nur persönlichen Austausch und Gemeinschaft, es geht um eine Full Human Experience‘‘, also der direkte Kontakt des Menschen zueinander, bei der digitale Werte hinter den Kulissen stattfinden Dies trifft in besonderem Maße für die Hospitality Branche zu Hier kann Digitalisierung durchaus unterstützend eingesetzt werden, um den Fokus stärker auf Gästeerlebnisse zu legen.

 

Anlässe können in Wertigkeit steigen Menschen haben die Möglichkeit persönliche Beziehungen aufzubauen, emotionale Begegnungen zu erfahren und sich von der digitalen Welt auszuruhen.

In diesem Artikel behandeln wir den Gegentrend ,,Digital Free‘‘ und welche Möglichkeiten sich damit für die Zukunft der Gastronomie ergeben Die Gesellschaft befindet sich in einem akuten Wandel Es wächst das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Nähe, wodurch gleichzeitig ein vermehrter Widerstand gegen eine totale Digitalisierung auftritt Es ist unbestreitbar, dass die Digitalisierung das Miteinander der Menschen verändert Doch wie weit sollte Digitalisierung in einer Branche, die ein bekennendes People’s business ist, gehen?        

                                                                                                                                                                                                        Café                                                                                                   

‘‘Es wächst das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Nähe, wodurch gleichzeitig ein vermehrter Widerstand gegen eine totale Digitalisierung auftritt.‘‘

 

Inwiefern kann also die klassische Gastronomie, bei der sich alles um echte Begegnungen und persönlichen, emotionalen Austausch und das Erleben von gemeinsamen Momenten dreht mit digitaler Präsenz, online Bestellungen und Food Apps konkurrieren?

Verunsicherungen in der Gastronomiebranche bezüglich wirtschaftlicher Entwicklungen und dem Einsatz digitaler Unterstützungen sind nicht nur durch das Aufkommen der Pandemie hoch Auch fast zehn Jahre nachdem die Industrie 4 0 die Gesellschaft erreicht hat, ist immer noch Verunsicherung beim Einsatz von digitalen, analogen und persönlichen Elementen in der Branche zu erkennen.

Der moderne Arbeitsmarkt ist von der Digitalisierung nachhaltig geprägt Es findet fortlaufend ein intensivierter Wandlungsprozess von analogen Ressourcen hin zu digitalen Technologien statt Dies ist auch im Bereich Hospitality angekommen Die sogenannte Gastronomie 4 0 beschreibt die Umstellung auf digitale Prozesse, mit der Aufgabe, Arbeitsabläufe in vielen Punkten zu vereinfachen Dies betrifft Aufgaben der Buchhaltung, Verwaltung von Ressourcen, Warenwirtschaft bis hin zu Bestellungen und Reservierungen sowie kontaktlosen Zahlungen Genau diese Prozesse mittels digitaler Tools zu vereinfachen, führte zu wünschenswerten Prozessoptimierungen und Annehmlichkeiten in der Gastronomie Die Pandemie verstärkte diesen Prozess.

 

Es ist im Bewusstsein der Gesellschaft verankert, dass die Zukunft des Marktes und damit die des Gastgewerbes von digitaler Bereitschaft bestimmt ist Dennoch stellt sich die Frage, wie weit die technologische Entwicklung noch gehen wird und welche Barrieren daraus entstehen können Viele Restaurants, Bars oder Cafés setzen nach wie vor auf klassische Konzepte und beziehen nur die notwendigste Unterstützung aus der Digitalisierung Es geht nicht darum, die Digitalisierung zu boykottieren, sondern die Technik im Hintergrund laufen zu lassen, auch um die sozialen Bedürfnisse der Gäste zu berücksichtigen.

 

Gäste der Gastronomie und Hotellerie haben heute andere Ansprüche an Dienstleistende und Services der Hospitalitybranche als noch vor vielen Jahren Für viele Menschen ist es wichtig, dass es schnell und unkompliziert bei gleichbleibender Qualität sein muss Moderne Gastronomie muss daher eine Erweiterung des Gästeservices sein Für Gastronomiebetreibende ist es von daher unmöglich die Digitalisierung außer Acht zu lassen, allerdings kommt es auf den gezielten Einsatz an Digitalisierung sollte vielmehr als Unterstützung dienen, den Gastro Alltag so einfach und unkompliziert wie möglich zu gestalten.

 

Doch sollte dabei das Gesellschaftliche, Soziale und Gastgeberische nicht zu kurz kommen Schließlich ist es genau das, was Restaurantbetreibende seit Beginn der Gastronomiegeschichte pflegen Gäste kommen nicht nur zum Essen und zum Trinken, also um Grundbedürfnisse zu befriedigen, sondern um auch den Alltag in Vergessenheit geraten zu lassen oder in manchen Fällen vielleicht sogar zu entfliehen.

 

‘‘Wie weit wird die Technologie Sich noch entwickeln und welche Barrieren entstehen daraus?‘‘

 

Stellen wir uns vor, dass Digitalisierung noch stärker in der Gastronomie oder Hotellerie Einzug hält und nicht mehr nur bloße Unterstützung von digitalen Kassensystemen oder Nutzung von QR Codes im Fokus hat, sondern dass Mitarbeitende von künstlicher Intelligenz und Robotik ersetzt werden, die einzig und allein darauf ausgerichtet sind, Bestellungen der Gäste aufzunehmen.

 

Würde dann nicht der ursprüngliche Gastronomiegedanke verschwinden? Damit würden nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen, sondern es würde an Emotion, Erlebnissen und sozialen Miteinander fehlen Also genau das, was uns Menschen von Maschinen unterscheidet.                                                                                                    Technologie in der Gegenwart

 

Tatsächlich sind solche Fantasien längst nicht mehr Zukunftsvisionen oder Science Fiction Es gibt bereits jetzt die Möglichkeit, Restaurants, Cafés, Bars oder Hotels nur mit dem Einsatz technologiebetriebener Software und Maschinen zu betreiben Ein konkretes Beispiel ist der Roboter Tom Sawyer Tom Sawyer kocht und serviert Kaffeespezialitäten für Melitta Der Roboter hat seine fest definierte Café Ecke, dort füllt er bis zusechs Standardrezepte ab oder kocht den Authentic Drip Coffee“ seine Spezialität Die Ironie dahinter ist, dass die Kaffeesorten authentischer sind als Tom Sawyer selbst Für die Zubereitung muss Sawyer Becher holen, diese korrekt unter der Kaffeemaschine platzieren, den Handfilter greifen und an der Kaffeemühle ansetzen Die Kaffeemühle wird von ihm angestellt, wobei Sawyer das Mahlgut in den Filter gibt, den Filter in die Station einbindet und den Brühvorgang anschließend startet Zunächst findet der Gast dies sehr unterhaltsam und bewundernswert, wie Maschinen programmiert werden können So eine Technologie ist neu und aufregend Aber nur genau so lange, bis uns auffällt, dass der Vorgang immer der gleiche ist.

Die Abläufe wiederholen sich, es werden niemals Gespräche mit dem Barista stattfinden können Es wird niemals eine Beziehung aufgebaut werden können, es wird niemals eine Freundschaft oder Verbundenheit entstehen Wird dann Tom Sawyer nicht auf Dauer langweilig werden? Und werden wir uns, ganz anders als von der Romanfigur, die Mark Twain 1876 mit viel Humor entwickelt hat, nicht eher abwenden wollen? Werden wir uns nicht eher eine Auszeit vom Fortschritt und hin zur realen Welt wünschen wollen? Wenn es nur noch Tom Sawyer Roboter geben würde, wünschten wir uns schnell echte Menschen an den Kaffeemaschinen zurück Wir wollten zurück in unser Stammcafé um die Ecke Dorthin, wo wir früher so viel Zeit mit Familie und Freunden verbracht haben und sich nach oder während dem Kaffee mit Barista und Gastgebenden angeregt unterhalten haben.                                                                                                                                Auszeit mit den Freunden

 

‘‘Zum Schluss werden wir feststellen, dass das, was wirklich zählt, die Emotionen, Zusammensein und die soziale Gemeinschaft ist“

Nach knapp zwei Jahren haben sich Pandemie, Einschränkungen im täglichen Leben und immer wiederkehrende Lockdowns zum Alltag entwickelt. Fragen wie „Welche Sicherheitsvorkehrungen müssen wir anbieten?“, „Wie viele ‚Gs‘ sind heute bei Gästen abzufragen?“ oder „Werden wir wieder schließen müssen?“ rauben Restaurantbetreibenden nicht nur den letzten Nerv, sie führen auch immer mehr Gastronomie-Betriebe in Existenznot. Von Januar 2020 bis Januar 2022 soll nach Angaben der Wirtschaftsauskunft Crif die Zahl finanzschwacher und damit insolvenzgefährdeter Gastronomieunternehmen, wie Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés, um fast ein Drittel auf 16,2% gestiegen sein. Unternehmenspleiten zwischen den Jahren 2020 und 2021 sind dabei bereits herausgerechnet.

 

Zwei Jahre begleitet durch Ängste, Gäste, Mitarbeiter und den eigenen Betrieb zu verlieren, hat die Gastronomie dazu angetrieben, das Geschäft neu aufzustellen. Viele Gastronomiebetreibende haben sich dazu entschieden, in digitale Infrastrukturen zu investieren, die nicht nur Abläufe und Ressourcen schonen, sondern persönliche Kontakte auf ein Minimum reduzieren sollten, um mögliche Ansteckungen mit Covid-19 zu vermeiden. Die Chancen, das eigene Restaurant, Café oder Bar digital aufzustellen, erschienen zunächst vielfältig und versprachen wirtschaftlichen Erfolg in einer schwierigen Zeit. Digitale Speisekarten und kontaktloses Bezahlen haben zweifelsohne Vorteile für Gäste und Mitarbeitende: Bestellung und Bezahlung können schneller abgewickelt werden, es muss nicht auf das Serviceteam mit der Rechnung gewartet werden. Ebenfalls lange als Vorteil gesehen: Es kommt zu keinem engen Kontakt mit anderen, was besonders in Zeiten von Covid eine große Rolle spielte. Des Weiteren haben sich viele Gastrounternehmen neu aufgestellt und um Delivery und Take-away erweitert. So konnte auch während des Lockdowns ein gewisses Grundgeschäft erhalten bleiben und ein wenig Umsatz generiert werden.

 

Die Weiterentwicklung der Digitalisierung, getrieben durch die Pandemie, hat die Gastronomie also in vielerlei Hinsicht unterstützt. Dennoch spielt in einem per se sozialen Gewerbe das Thema Kunden- bzw. Gästebeziehung eine herausragende Rolle.

 

Wenn auch eine Reichweite aufrechterhalten werden konnte oder sich sogar erhöht hat, konnte dies nur durch die Schaffung einer oberflächlichen Beziehung generiert werden. Die Pandemie und die Digitalisierung des Geschäfts trug zunächst dazu bei, dass sich Gäste und Gastronomiebetreibende auf zwischenmenschlicher Ebene voneinander entfernt haben. Doch nach einiger Zeit haben die Menschen erkannt, dass ihnen etwas fehlt. Das gemütliche Zusammensein im Restaurant, im Café, der gemeinsame Aperitif nach der Arbeit, das Abtanzen im Club am Wochenende. Der Wunsch nach echten Begegnungen wurde immer stärker. Auch der Austausch mit den Gastgebenden fehlte. Dinge, die sich durch keine Technik ersetzen lassen. Dennoch sollten digitale Techniken in der Gastronomie eingesetzt werden. Praktische, unterstützende Systeme, die den Bestellprozess, die Bezahlung und die Administration erleichtern, sind gefragter denn je und werden auch in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. Der entscheidende Faktor ist hier jedoch der Einsatzort. Im Backoffice sowie im Einkauf sind digitale Lösungen auch nach der Pandemie unverzichtbar.

 

Allerdings darf die Gastronomiebranche nicht vergessen, dass ohne den direkten Austausch zum Gast, dem Betrieb das wahre Erlebnis fehlt, der Restaurantbesuch gesichtslos erscheint. Gerade an einem Ort, wo doch einzigartige Momente geschaffen werden sollen, die im Gedächtnis und im Herzen bleiben. Vielleicht erinnern wir uns für einen kurzen Augenblick daran zurück, wie interessant die flexiblen, technologischen Angebote waren. Wir haben Neues entdeckt, was wir noch nie zuvor gesehen hatten. Doch die aufregenden Gespräche, die Feiern, das Lachen und manchmal sogar das Weinen waren nicht mehr da. Doch die Hospitality-Branche lebt von Emotionen und Erlebnissen.

 

Es ist jetzt wichtiger denn je, die Gastronomie wieder zurück zu ihren Wurzeln zu führen und den eigentlichen Gedanken, der hinter diesem sozialen Konzept steht, erneut aufblühen zu lassen. Zu beachten ist der schmale Grat zwischen dem emotionalen Erlebnis und dem Einsatz von digitaler Unterstützung. 

                                                                                                                                                                                                                      Bedienung im Café

Bedenklich sind Systeme und Konzepte, die Digitalisierung als Barriere benutzen und so nicht mehr inklusiv sind, Menschen von der Teilhabe und Teilnahme abhalten. Beispiele gibt es dazu in unserer modernen Welt zuhauf. Banken, die auf physische Filialen verzichten und ihre Kundinnen und Kunden zwingen am Online-Banking teilzunehmen oder Geschäfte an Automaten zu erledigen.

 

Hausverwaltungen, die nicht mehr direkt zu erreichen sind, sondern nur online oder telefonisch über Sprachcomputer. Restaurantkonzepte, bei denen nur online bestellt und bezahlt werden kann. Kundendienste, die ausschließlich per E-Mail, Kontaktformular oder ChatBot zu kontaktieren sind. Alle diese Methoden sind in erster Linie dazu gedacht, Unternehmenskosten zu sparen. Weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden benötigt, Miete wird gespart und Daten können einfach gesammelt werden. Alles Vorteile für die Unternehmen und großer Serviceverlust auf der anderen Seite. Nicht nur, dass der nichtvorhandene Service trotzdem von den Kundinnen und Kunden monetär bezahlt werden muss, sondern sie erhalten auch keine Dienstleistung mehr und werden weltweit zur Mitarbeit gezwungen.                                                                                                                                        Sozialer Druck der Technologie

Doch der traurigste Effekt ist der, dass ein menschlicher Kontakt unterbunden wird und nicht mehr stattfindet.

Soll das unsere Zukunft sein? Unsere schöne neue Welt?

 

‘‘Es ist jetzt wichtiger denn je, die Gastronomie wieder zurück zu ihren Wurzeln zu führen und das soziale Konzept erneut aufblühen zu lassen.‘‘

Gastronominnen und Gastronomen sollten eine Vision haben: Menschen sollen in die Restaurants, Cafés, Bars und Clubs zusammenkommen, Feste feiern und sich ausgelassen unterhalten. Restaurants sollen Orte von Begegnungen mit Bedeutung sein. Gastronomische Einrichtungen müssen wieder das Gastronomieerlebnis zurückbringen, so wie es einst war, bevor die Digitalisierung nicht nur im Back-Office blieb, sondern auch im Bereich des Service stark eingegriffen hat.

 

Digitalisierung soll das Leben und die Arbeit der Menschen einfacher und stressfreier gestalten. Menschen sollen damit mehr Zeit für sich erhalten und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Doch die Frage ist: Ist das nicht alles nur blanke Theorie? Oder sieht ist es nicht eher so aus, als ob die Digitalisierung in unserem Leben zu noch mehr Stress geführt hat. Das Gefühl, 24/7 erreichbar sein zu müssen, immer sofort zu reagieren, ist ein Ergebnis dessen und führt in vielen Fällen zum Burn-Out. Menschen sind dank moderner Technik wie Smartphones, Tabletts oder Laptop stets online und können zu jeder Tageszeit Messages, E-Mails und Anrufe beantworten.

 

Egal, ob auf dem Berg, auf dem Meer, in der U-Bahn, im Auto, das Handy ist immer dabei. Wenn es irgendwo langweilig ist, wird das Telefon gezückt und die Social-Media-Kanäle werden durchgeschaut und Berauschen die Nutzenden. Bilder und Videos finden sich, die zeigen, dass irgendwo anders auf der Welt Menschen ganz viel Spaß haben und mutmaßlich ein tolles Leben führen, das wir doch auch für uns gerne wollen. Dies erzeugt Druck, Neid und das dringende Bedürfnis, ebenso an diesem „Wettbewerb“ teilnehmen zu müssen. Der Stressfaktor steigt langsam, aber stetig und die eigentliche Leichtigkeit des Teilens von Gedanken und Erlebnissen entpuppt sich als Gefangenschaft des Systems.

 

Letzteres ist vielen bewusst, jedoch werden oftmals die Auswirkungen der Social-Media-Kanäle bagatellisiert. Das Problem ist, dass sich Menschen gezwungen fühlen, den digitalen Medien gerecht zu werden. Dabei kommt das echte Zusammensein zu kurz oder entfällt sogar ganz, weil sich Menschen isoliert haben und nur noch in ihrer virtuellen Welt leben. Der Kontakt zu Menschen ist für diese Personen alleine nicht mehr möglich. Erst langjährige Therapien ermöglichen eine Rückkehr in die Gesellschaft.

 

Ganz klar: Die digitale Entwicklung ist nicht aufzuhalten und wird weiter voranschreiten. Digitale Systeme und Tools werden weiterhin Einzug in unser aller Leben halten. Doch bitte nur in den Bereichen, wo es nötig und hilfreich ist. Digitalisierung soll unterstützend eingesetzt werden, denn der Fokus muss doch auf dem wahren Leben, auf Momenten und auf Erlebnissen liegen. Das zeichnet uns Menschen aus. Wir sind soziale Lebewesen, die einander brauchen, um gesund zu existieren.

 

‘‘Menschen sollen in die Restaurants, Cafés, Bars und Clubs zusammenkommen, Feste feiern
und sich ausgelassen unterhalten.‘‘

 

In einer Zeit, in der verstärkt, Maschinen eingesetzt werden, alles nur noch online organisiert, gebucht, gekauft und bezahlt wird, geht der direkte Kontakt zu Mitmenschen gänzlich unter. Die wochenlange Isolation während der Pandemie hat gezeigt, dass sich Menschen nicht zunehmend Reize aus dem Netz holen wollen. Sie wollen nicht auf Dauer mit den Eltern oder Kindern nur über Videocalls sprechen, sondern der Wunsch nach echten Begegnungen wurde stärker als je zuvor. Eine Gegenbewegung entstand: Raus aus der digitalen Welt, hin ins wirkliche Lebe. Anlässe, bei denen sich Menschen begegnen nehmen an Wertigkeit zu. Menschen wollen persönliche Beziehungen aufbauen, emotionale Begegnungen erleben und wünschen sich eine Pause von der digitalen Welt.                                                                                                                                                                                          Abhängigkeit der digitalen Welt

 

‘‘Die Gegenbewegung: Raus aus der digitalen Welt.‘‘

Das Thema Digitalisierung beschäftigt die Gesellschaft nicht erst seit der Pandemie Was anfangs visionär klang und viele Menschen nur am Rande interessiert hat, gewinnt zunehmend an Bedeutung Heute spielt die Digitalisierung im beruflichen Umfeld und im privaten Sektor eine große Rolle Medienkonsum findet oft ausschließlich über digitale Medien statt und anstelle von Briefen schicken wir E Mails, Fotos und Videos umher Tools, die besonders in Krisenzeiten, wie Pandemie oder Kriege ihre besondere Berechtigung haben und relevant für den Austausch und Informationsfluss sind.

 

Die Hospitality Branche hingegen wird nach wie vor von der Ansprache aller Sinne dominiert Klar ist, dass sich der Einsatz digitaler Hilfsmittel nicht mehr wegdenken lässt Seien es Online
Lieferdienste, Bestellungen per Click Collect oder digitale Bezahlmethoden, die die Abrechnung und Buchhaltung vereinfachen Die Nutzung dieser Tools wird beschleunigt und angetrieben durch globale Krisen wie die Verbreitung des Coronavirus Dennoch kann die Digitalisierung zwischenmenschliche Beziehungen nicht ersetzen.

 

Restaurants zurück zu ihrem Ursprung zu führen und die Digitalisierung im Hintergrund als Unterstützung zu nutzen trifft genau den Zeitgeist. Die Gesellschaft sehnt sich nach dem Hier und Jetzt, dem persönlichen Austausch und den Chancen mal eben ins Restaurant um die Ecke gehen zu können. Menschen möchten sich austauschen, zusammen feiern und zusammen sein. Restaurants sind Orte, an dem Geburten, Taufe, Einschulung, Schulabschluss, Heiratsantrag, Hochzeit, vielleicht auch Scheidung, Beförderung, der Business-Abschluss, der Renteneintritt und Tod gefeiert werden. Sie sind Orte für vielfältige                Gedeckter Tisch Piazza ©

Emotionen, Lachen und Weinen liegen hier eng beieinander. Restaurants begleiten uns das ganze Leben. Genau                Francesco Apostolico für    diese Momente sind virtuell nicht erlebbar. Sie werden nicht in Erinnerung bleiben und schnell in Vergessenheit geraten.                 IMPERO PIZZA & NATURA                                  

Die Digitalisierung wird weitergehen, aber dabei darf der Mensch nie vergessen werden.

Im Fokus stehen die Hoffnung und der Wunsch, dass Pandemie und damit einhergehende Einschränkungen bald ein Ende haben und sich die Gastronomie wieder mit neuer Stärke positionieren wird. Mit Einzigartigkeit, Vielfalt und Fröhlichkeit werden sich Gastrobetriebe wieder zurück zum altbewehrten Restaurantkonzept entwickeln und sich von dem Besuch zahlreicher Gäste berauschen lassen. Restaurantbesuche werden zu einem neuen Lifestyle und die Gesellschaft lernt dies, besonders nach zwei Jahren Pandemie, neu schätzen. Insbesondere reale Begegnungen, sind Luxus. Vor allem Millennials und Babyboomer sind wichtige Gästegruppen für das wahre Gastronomieerlebnis. Millennials wissen, wie wichtig ihre Freizeit ist und sind reise- und kontaktfreudiger als je zuvor. Babyboomer dagegen genießen das        Team IMPERO PIZZA & NATURA Leben und die Annehmlichkeiten, die Restaurants und Hotels bieten.                                                                                                      © Francesco Apostolico für                                                                                                                                                                                                                                           IMPERO PIZZA & NATURA

Die Gastronomie richtet sich wieder einmal neu ein. Sie ist eine agile und resiliente Branche und wird auch die

Auswirkungen der Pandemie langfristig überstehen. Was die Branche stets aufrecht hält, sind die Gäste.

 

‘‘Der Mensch zählt – und das Miteinander besonders!‘‘

 

Full Human Experience
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